Moto-Cross, 8. Stoppelcross in Hüttlingen: Starterrekord, spektakuläre Rennen und viele Besucher

Ein Brummen ertönt durch das Maisfeld. Langsam wird es lauter, nähert sich. Ums Eck düsen zwei Motorräder, jagen Fetzen des Grases, durch das sie pflügen, hinter sich hoch in den wolkenverhangenen Himmel. 15 Grad zeigt das Thermometer. Es ist trocken. Ideale Bedingungen für ein Motocross-Rennen im Stoppelfeld.

© Schwäbische Post 03.09.2012 / Heiko Buczinski 

Es ist 10.45 Uhr am Sonntagmorgen. Im Fahrerlager des 8. Hüttlinger Stoppelcross herrscht noch Ruhe. Vor den Wohnwägen, Wohnmobilen und Zelten wird gefrühstückt, Thermoskannen-Kaffee geschlürft. Ein Golden Retriever liegt mit der Schnauze im Gras, beobachtet sein Herrchen, das letzte Einstellungen an seinem Bike vornimmt. Im Pavillon daneben klopft ein Mann mit einer Bürste den Dreck aus dem Profil seiner tiefen Stollen-Reifen. Von der Rennstrecke herüber erklingt Musik. Die ersten Fahrer werfen sich in Montur, bewegen ihre Maschinen gen Starterfeld. Dort bereitet ein kleiner Radlader das Gelände gerade noch einmal auf. „Sicherheit geht vor“, erklärt die Stimme aus den Lautsprechern, die auf und neben einem Lastwagen am Rand der Rennstrecke montiert sind. Auf der Ladefläche des Lasters sitzen Rennleiter, Zeitmesser und Moderator. „Herzlich willkommen zum 8. Stoppelcross des MSC Hüttlingen. In wenigen Minuten werden die ersten Rennen starten“, begrüßt Rennleiter Wolfgang Maier Publikum und Fahrer. Die Starter bekommen an der Gabel ihrer Gefährte noch einen Transponder angebracht. Über den wird anschließend die Zeit gemessen. Während im Hintergrund „The final countdown“ läuft, werden die Startnummern des ersten Rennens angesagt. 33 sind es in diesem Lauf der Klasse 5 (18 bis 30 Jahre). Die Maschinen werden gestartet. Das vertraute Knattern setzt wieder ein. Abgasduft zieht durch die Luft. 15 Sekunden vor dem Start wird vor den Fahrern eine Tafel hochgehalten. „15“ steht in großen Lettern darauf. Nach zehn Sekunden wird die Tafel gewendet: „5“. Nur die Startschranke hält die jetzt ohrenbetäubend dröhnenden Bikes noch im Zaum. Dann fällt sie – und das Rennen beginnt. Fontänengleich spritzt der Dreck hinter den Startern hoch. Alle Fahrer meistern die erste Spitzkehre, verschwinden binnen Sekunden hinter den Hügeln, die dem vorderen Bereich des Parcours eine markante Optik verpassen. Einige Momente später fliegt der erste Fahrer über die große Schanze, landet sicher und macht sich auf den Weg zur zweiten Runde. Ein anderer hat weniger Glück. Er stürzt bei der Landung, rollt sich jedoch gekonnt ab und von der Strecke. Die Streckenposten um ihn herum schwenken die gelben Flaggen um nachfolgende Fahrer zu warnen. Dem Gestürzten ist nichts passiert. Er zieht sein Motorrad zu sich, springt wieder auf und fährt weiter. Rennleiter Maier zeigt den Fahrern die beiden letzten Runden auf einer Tafel an. Danach schwenkt er die Zielflagge. Das Ergebnis des Rennens kann durch die Transpondermessung sofort auf einem Notebook abgelesen und verkündet werden. Die Transponder werden an der Ausfahrt aus dem Parcours wieder abgenommen. Nach diesem Prinzip folgen weitere Läufe der insgesamt acht Klassen. Beim Rennen der Kids Klasse 1 (ab 50 ccm) hat jeder Nachwuchsstarter einen eigenen Betreuer mit am Start und im Feld. Diese unterstützen ihre Fahrer vor allem nach Stürzen, die in dieser Klasse noch etwas häufiger auftreten. Die Kleinen sind jedoch meist hart im Nehmen, steigen schnell wieder auf und fahren weiter. In der Mittagspause legt sich Stille übers Stoppelfeld im Bolzensteig. Einzig der Radlader kurvt wieder über den Parcours und bringt emsig Erde vor sich her schiebend die Strecke wieder auf Vordermann. Geschäftig wird es auch in der kulinarischen Meile und der Händlerstraße. Im Fahrerlager übt ein Nachwuchsstarter schon einmal für später: mit kleinen Kunststücken und – ganz Gentleman – der jungen Beifahrerin auf dem Sozius bei der Spazierfahrt durchs Zeltdorf. Das Wetter hält. Immer mehr Besucher kommen zum Stoppelcross-Areal über den Dächern von Hüttlingen. Die nächsten Läufe starten. Immer wieder gibt es kleinere Stürze. Die verlaufen jedoch alle glimpflich. Selbst beim chaotischsten Rennen, dem ersten Lauf der Hobby-Klasse (Fan- und Spaßfahrer), passiert trotz Start- und Ziel-Crashs nichts Schlimmeres. Rennleiter Maier kritisiert den Übermut der Hobbyfahrer und stellt die Wertung des Laufs unter Vorbehalt: „Mir gefällt da einiges nicht.“ Beeindruckend hingegen sind die spektakulären Fahrten der Aktiven und Lizenz-Fahrer. Höher, schneller, weiter fliegen diese über die Schanzen und holen aus dem Parcours das Letzte heraus. Nach den Profis beginnt um 14:30 Uhr der zweite Durchgang mit dem zweiten Lauf der Klasse 5 - und ein paar Schreckminuten: Beim Landen nach dem Sprung über die große Schanze fliegt ein Fahrer kopfüber über sein Bike und bleibt kurzfristig bewusstlos liegen. Johanniter, Rennleiter und Helfer eilen zur Unfallstelle. Der Lauf wird abgebrochen, der verunfallte Fahrer ins Krankenhaus eingeliefert. „Er bleibt eine Nacht zur Beobachtung dort“, verkündet Wolfgang Maier später. „Die Blessuren sind aber offenbar nicht allzu wild“, sagt er. Das Stoppelcross wird fortgesetzt und am Ende jede Menge gerechnet. Auf diese Weise werden die Teilnehmer für den Großen Preis von Hüttlingen bestimmt. Der startet als buntes Duell der Besten der Klassen 3 bis 8 ganz zum Schluss um Viertel vor sechs. Zu gewinnen gibt’s einen Wanderpokal. Den soll der Sieger im kommenden Jahr wieder mitbringen zum 9. Hüttlinger Stoppelcross - auch wenn der Bolzensteig bis dahin nicht mehr als Parcours zur Verfügung steht. „In Hüttlingen bleiben wir auf jeden Fall“, sagt Wolfgang Maier und erntet dafür den Beifall des Publikums.

Die Posten harren im Erdregen aus

Wer im Fahrerlager etwas auf sich hält, hält sich einen Hund. Die Vierbeiner sind neben Wohnwagen, Wohnmobilen, Pavillons, Zelten und Bikes nämlich am Häufigsten dort anzutreffen. Und zwar in jeder Form – vom gediegenen Mischling über den weißen Terrier bis zum kraftvollen Boxer.
„Da will der eine oder andere vielleicht noch Pommes holen“, warnte Rennleiter Wolfgang Maier das Publikum im Bereich der Essensstände vor dem Lauf der Aktiven und Lizenz-Fahrer. Diese sind dafür bekannt die Strecke auszureizen und die zur Begrenzung des Parcours aufgeschütteten Erdhügel besonders wild zu durchpflügen.
Im wahrsten Sinne des Wortes den meisten Dreck schlucken müssen beim Stoppelcross übrigens die Streckenposten. Sie können vor dem Erdregen nicht flüchten und müssen daher erdulden, was auf sie herunterprasselt.
Man wird ja wohl noch träumen dürfen, dachte sich wohl auch ein kleines Mädchen, das mit einem Fahrradhelm bewaffnet in der Händlerstraße ihr pinkfarbenes, pedalloses Kinderrad gegen ein Mini-Motocrossbike tauschte –  Gefahren ist sie natürlich nicht.
Je später der Renntag desto gelöster die Stimmung. Das galt für Veranstalter und Fahrer gleichermaßen wie für Besucher – und für die Johanniter: Vor Beginn des Großen Preis von Hüttlingen spurteten sie munter über die Piste und stibitzten sich schelmisch gegenseitig Sitzmöglichkeiten.
Davon dass Motocross nicht zwingend laut und stinkend sein muss, konnten sich die Besucher beim Hüttlinger Stoppelcross selbst überzeugen: Ein E-Bike war nämlich ebenfalls mit am Start. buc

Stoppelcross in Hüttlingen - Auszug aus den Ergebnislisten

Großer Preis von Hüttlingen: 1. Dennis Baudrexel, Gesamtzeit: 16:59.558, 16 Runden; beste Zeit: 01:01.945; 2. Kevin Abele, 18:08.613, 16, 01:05.168; 3. Benjamin Köck, 17:06.958, 15, 1:06.297, 4. Enrico Menzel, 17:08.835, 15, 1:06.679; 5. Christian Hossner, 17:50.254, 15, 1:09.906; 6. Maximilian Fuchs, 18:11.284, 15, 1:10.137; 7. Jürgen Prinz, 17:03.843, 14, 01:11.060; 8. Alex Mugler, 17:34.242, 14, 1:10.045; 9. Niclas Flemmerer, 17:38.117, 14, 1:13.072; 10. Thomas Oberdorfer, 17:49.193, 14, 1:13.939; 11. Niklas Leidig, 18:02.842, 14, 1: 14.263; 12. Simon Scharfenecker, 14:51.910, 13, 1:05.730; 13. E bike, 17:23.656, 13, 1:13.392; 14. Luis Hahn, 17:17.645, 12, 1:19.039; 15. Andre Jung, 10:25.902, 8, 1:14.917; 16. Manuel Turkovic, 6:36.871, 5, 1:16.736; 17. Stefan Brenner, 4:46.112, 4, 1:09.459.

Klasse 8 Hobby und Spaßfahrer: 1. Florian Grein, 47 Punkte; 2. Markus Weinbuch, 42; 3. Markus Kurz, 31; 4. Manuel Turkovic, 29; 5. Andre Junge, 29, 6. Niklas Leidig, 29; 7. Martin Schober, 27; 8. Martin Abele, 26; 9. Daniel Maier, 26; 10. Oliver Knörzer, 26; 11. Marco Stelzer, 25; 12. Peter Häußler, 20; 13. Thomas Weinbuch, 19; 14. Dennis Stelzer, 15; Patrick Hackbarth, 13; 16. Andreas Köder, 8; 17. Dominick Quattelbaum, 6; 18. Michael Hermann, 5; 19. Albert Klingler, 5; 20. Dominik Schimmele, 5.

Klasse 7 ab 41 Jahre: 1. Christian Hossner (Runde 1: 25 Punkte / Runde 2: 25 Punkte) 50 Punkte; 2. Ingo Trost (18/22) 40; 3. Julian Trost (20/20) 40; 4. Rainer Schönecker (22/15) 37; 5. Oliver Claus (16/18) 34; 6. Clemens Pfeffer (15/16) 31; 7. Franz Abele (14/14) 28; 8. Jochen Trost (13/12) 25; 9. Martin Köck (11/10) 21; 10. Manfred Horlacher (7/13) 20; 11. Thomas Wamsler (9/11) 20; 12. Hermann Lang (8/9) 17; 13. Michael Moser (10/7) 17; 14. Martin Mayer (12/0) 12; 15. Frank Schrade (5/6) 11; 16. Martin Lang (6/3) 9; 17. Ingo Kunzi (0/8) 8; 18. Andreas Weigle (3/5) 8; 19. Hubi Kortus (4/4) 8; 20. Wolfgang Grein (1/2) 3.

Klasse 6 30-40 Jahre: 1. Jens Holz (25/25) 50; 2. Jürgen Prinz (20/22) 42; 3. Mario Berger (22/20) 42; 4. Daniel Heimann (16/18) 34; 5. Uwe Gehrandt (14/15) 29; 6. Thomas Weinbuch (15/12) 27; 7. Mario Mayer (10/16) 26; 8. Salvatore Adipietro (13/13) 26; 9. Andree Holz (8/14) 22; 10. Boaz Pnini-Mittler (11/10) 21; 11. Johannes Fuchs (9/11) 20; 12. Peter Prinz (18/2) 20; 13. Timo Gassmann (7/9) 16; 14. Jörg Gölz (6/8) 14; 15. Manuel Turkovic (12/1) 13; 16. Patrick Sauter (4/7) 11; 17. Daniel Thurn (5/6) 11; 18. Klaas Hageney (3/5) 8; 19. Andreas Feuchter (2/4) 6; 20. Andreas Riedißer (-/3) 3.

Klasse 5 18-30 Jahre: 1. Daniel Köck (25/25) 50; 2. Stefan Brenner (22/22) 44; 3. Maximilian Fuchs (20/20) 40; 4. Alex Mugler (18/18) 36; 5. Thomas Oberdorfer (15/16) 31; 6. Markus Weinbuch (16/14) 30; 7. Marc Weizmann (14/15) 29; 8. Gerd Uwe Kirsten (13/10) 23; 9. Nicolai Köbele (8/13) 21; 10. Christian Schöne (7/12) 19; 11. Tim Wist (11/7) 18; 12. Alexander Wilhelm (10/6) 16; 13. Deniz Scheib (2/11) 13; 14. Tim Zürn (5/8) 13; 15. Dennis Schneider (12/0) 12; 16. Stefan Rupp (0/9) 9; 17. Tim Östereicher (9/0) 9; 18. Manuel Bulling (3/4) 7; 19. Marco Stelzer (6/0) 6; 20. Michael Seuferlein (0/5) 5.

Klasse 3 Kids bis 85ccm: 1. Niclas Flemmerer (25/25) 50; 2. Marius Grein (22/20) 42; 3. Nico Hald (20/18) 38; 4. Alexander Baur (16/16) 32; 5. Luis Hahn (18/13) 31; 6. Nico Pawlitschko (15/15) 30; 7. Loris Wamsler (13/14) 27; 8. Maximilian Högele (2/22) 24; 9. Tobias Zeller (11/12) 23; 10. Patrick Bleicher (10/11) 21; 11. Nico Baumgärtner (14/7) 21; 12. Nico Scharpf (12/8) 20; 13. Bastian Riek (8/10) 18; 14. Tom-Luca Mayer (9/9) 18; 15. Nico Trost (7/6) 13; 16. Felix Lang (6/3) 9; 17. Mark Köder (3/5) 8; 18. Anja Walzhauer (4/4) 8; 19. Tim Lindacher (5/2) 7; 20. Pascal Schoch (1/1) 2.

Klasse 2 Kids bis 65ccm: 1. Lucas Riedißer (25/25) 50; 2. Marces Atz (22/20) 42; 3. Nick-Klaus Kiemel (16/22) 38; 4. Aron Gittfried (20/18) 38; 5. Alexander Deile (18/14) 32; 6. Nia Baumgärtner (13/16) 29; 7. Dennis Schrade (15/13) 28; 8. Robin Walzhauer (11/15) 26; 9. Yannick Wehling (14/11) 25; 10. Luis-Peter Kiemel (12/12) 24; 11. Samuel-Joshua Braun (9/10) 19; 12. Leon Riek (10/8) 18; 13. David Schwartze (8/9) 17; 14. Selma Boudier (7/7) 14; 15. Priska Köder (6/5) 11; 16. Leon Kästner (5/4) 9; 17. Jean Pascal Minet (1/6) 7; 18. Nico Haas (4/2) 6; 19. Tom Heitz (3/1) 4; 20. Jannik Sachsenmaier (0/3) 3.

Klasse 1 Kids bis 50ccm: 1. Nick Wiegand (25/25) 50; 2. Leo-Filip Paukovic (22/22) 44; 3. Julian Bronner (18/20) 38; 4. Niklas Mack (16/18) 34; 5. Luca Steinberger (20/13) 33; 6. Justin Witt (15/14) 29; 7. Danny Grein (13/15) 28; 8. Lukas Paul (14/12) 26; 9. Fabio Schoch (12/11) 23; 10. Max Bommerer (11/10) 21; 11. Justin Rock (-/16) 16; 12. Leon Heimann (7/9) 16; 13. Noah Mayer (8/8) 16; 14. Luis Cartoma (7/9) 16; 15. Marcel Schrempf (10/5) 15; 16. Tamara Bronner (6/6)12; 17. Felix Schwartze (5/4) 9; 18. Ayana Naumann (3/3) 6; 19. David Mayer (4/2) 6.

Sicher wieder in Hüttlingen

„Wir freuen uns über einen Starterrekord mit iInsgesamt 208 Fahrern. Der jüngste Fahrer war vier Jahre alt, der älteste knapp 60. Der Besucherandrang zeugt davon, dass wir hier eine gute Motorsportveranstaltung organisieren und sich das herumspricht. Wir werden auch 2013 wieder anfang September am Start sein. Den genauen Ort kann ich zwar noch nicht sagen, aber es wird auf jeden Fall in Hüttlingen sein.“

© Schwäbische Post 03.09.2012 / Heiko Buczinski

Noch 15 Sekunden bis zum Start werden angezeigt: Auspuffrauch vernebelt die Luft, die Motoren werden hochgejagt – gleich geht’s los.

 Spektakuläre, hohe und weite Sprünge gab es beim Stoppelcross in Hüttlingen zu betaunen. 

Die Profifahrer legen sich mächtig in die Kurven und lassen Erde auf Zuschauer und Streckenposten herabregnen.  (Fotos: Peter Hageneder)